18 Jul

Forschendes Lernen in den USA. Ein Tagungsbericht.

Lesezeit: 4 Min -

Die Universität Hohenheim ist mit den Mitarbeitern von Humboldt reloaded in Sachen Forschendes Lernen innerhalb Deutschlands gut vernetzt und in mehreren hochschulübergreifenden Kooperationen engagiert. Aber wie sieht es eigentlich in anderen Ländern mit Forschendem Lernen aus? Wie ist dort der Stand, wo werden Akzente gesetzt?

In Vorbereitung für die internationale Fachtagung zu Forschendem Lernen „focus URE. Underpinnings, Requirements, and Effects of Undergraduate Research Experiences“, die von 5. bis 7. Juni 2019 in Hohenheim stattfinden wird, waren zwei Hohenheimerinnen bei der diesjährigen Konferenz des US-amerikanischen Council on Undergraduate Research in Washington D.C.

Das VIP-Treffen 2018: Abraham Lincoln und Wilhelm von Humboldt (reloaded)

Es gibt im Englischen, genauso wie im Deutschen, mehrere Bezeichnungen für Forschendes Lernen, als Überbegriffe oder um bestimmte Abstufungen anzuzeigen. So gibt es u.a. die Begriffe  inquiry-based learning, research-based learning und auch undergraduate research oder undergraduate research experience, kurz UR bzw. URE. Dabei weisen die letzten beiden Bezeichnungen darauf hin, wann im Studium Erfahrungen mit Forschendem Lernen stattfinden – im Bachelorstudium, genau wie bei Humboldt reloaded.

An der 18. Konferenz des Council on Undergraduate Research (kurz CUR) nahmen etwa 450 Personen teil, davon waren es überwiegend Hochschulmitarbeiter aus allen Ecken der USA, aber auch Personen aus Australien, Ägypten, Groß Britannien, Deutschland, Kanada und den Niederlanden. Auch Vertreter der Ivy-Legue-Universitäten Brown, Harvard und Pennsylvania nahmen teil.

Employability versus wissenschaftliche Persönlichkeit

In einer Vielzahl an Vorträgen und Workshops tauschten sich die Tagungsteilnehmer über die aktuellen Entwicklungen in Forschendem Lernen aus, präsentierten das Format ihrer Hochschule und dessen Entwicklung und tauschten sich auch innerhalb ihrer Fächergruppen aus. Es gibt Programme, bei denen Forschendes Lernen an die Studien- und Karriereberatung angeknüpft ist, in denen Studierende für die Teilnahme bezahlt werden oder bei denen sich in einem hochschulinternen Wettbewerb für Projektgelder beworben werden kann. An anderer Stelle geht es um mehrere „transformative experiences“, die in den Verlauf des Studiums eingebaut und von den Studierenden frei wählbar sind. Auffallend war, dass Forschendes Lernen an vielen Colleges für die breite Masse der Studierenden angelegt ist, weniger zur Förderung der Besten. Und während in Deutschland Forschendes Lernen auch dazu eingesetzt wird um Forschen zu lernen und um wissenschaftlichen Nachwuchs heranzuziehen (Stichworte wissenschaftliche Persönlichkeit, hohes wissenschaftliches Niveau halten), liegt der Schwerpunkt der dortigen Programme eher darauf, die Studierenden zu befähigen eigenständig zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und das eigene Leben tatkräftig zu gestalten (Stichwort Employability).

Diversität, Heterogenität und Community Learning

Drei weitere Aspekte prägten den Austausch unter den Mitgliedern des US-amerikanischen Netzwerks. Die Einbindung und Förderung der Minderheiten sowie die Förderung Studierender, die als erster Generation ihrer Familie studieren, wurden immer wieder thematisiert und in der Gestaltung der Programme aufmerksam bedacht. So wird Undergraduate Research auch als ein Weg gesehen, um gesellschaftliche Gerechtigkeit herzustellen.  Daneben gab es einige Programme, in denen Undergraduate Research mehr im Sinne des Service Learning umgesetzt wurde. Das heißt Studierende lernen Fach- und Methodenwissen, indem sie, mit den Lehrenden im Hintergrund, für eine gemeinnützige Sache einen Auftrag übernehmen und ausführen. Oder es ging darum, zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen direkt an den Problempunkten Lösungen zu entwickeln.

Das Netzwerk um den CUR umfasst aktuell rund 1.000 Mitglieder. Es entstand in den 1970er Jahren, erst einmal unter Naturwissenschaftlern. Über die Jahre sind immer mehr Fachbereiche dazugekommen, so dass das Spektrum bis zu Sozialwissenschaften, Informatik und Psychologie reicht. Dieser fachübergreifende Austausch zur Gestaltung der eigenen Lehre, also nicht nur ein Austausch unter Hochschuldidaktikern und Programmkoordinatoren, war inspirierend und ermutigt, sich auch an anderer Stelle so ein Miteinander vorzustellen. Der CUR bietet neben der Konferenz für Hochschulmitarbeiter aller zwei Jahre, Weiterbildungen für Hochschulen zu URE an und richtet jährlich in Kooperation mit einer Hochschule eine US-weite Tagung studentischer Forschung aus, an der etwa 3.000 Studierende teilnehmen.