01 Aug

E-Klausuren an der Universität Hohenheim – Ein Interview

Lesezeit: 5 Min -

Liebe Frau Berggold, lieber Herr Starke; Sie arbeiten beide im Kommunikations-, Informations-, und Medienzentrum (KIM) der Universität Hohenheim. Zu Ihren Aufgabenbereichen zählt die Betreuung und Durchführung von elektronischen Klausuren, sogenannten E-Klausuren.

 

Christian Starke

Christine Berggold

 

Was genau ist eine E-Klausur und seit wann wird in Hohenheim mit dieser Prüfungsform gearbeitet

Starke: Als E-Klausur verstehen wir hier in Hohenheim benotete Prüfungen die an Computern auf dem Campus durchgeführt werden. Die Prüfungen werden von den Lehrenden in ILIAS, dem zentralen Lernmanagementsystem der Uni erstellt und hierüber auch von den Studierenden abgelegt. Daher wird diese Form von Prüfungen in Hohenheim auch oft einfach nur „ILIAS-Klausur“ genannt.

Berggold: Im Wintersemester 2010/11 haben wir die erste Klausur mit ILIAS in einem der PC-Räume in Hohenheim geschrieben. Der Wunsch kam damals direkt aus einem Fachgebiet der Agrarwissenschaft. Hier wurden bereits während der Vorlesung Testfragen in ILIAS zur Prüfungsvorbereitung eingesetzt. Da die Zahl der Studierenden zur selben Zeit extrem anstieg, lag es nahe auf ein elektronisches Prüfungsformat umzusteigen. Wir mussten ziemlich spontan auf diesen Wunsch reagieren und die PC-Räume auf dem Campus für die Prüfungen absichern, einen speziellen Server nur für ILIAS-Klausuren aufsetzen und die rechtlichen Aspekte abklären.

Wie groß ist die Nachfrage und wie sieht Ihre Arbeit in diesem Themenfeld konkret aus?

Starke: Bisher werden vor allem Module aus der Agrarwissenschaft mit ILIAS geprüft. Neuerdings haben wir jedoch auch einzelne Veranstaltungen aus den Kommunikationswissenschaften und auch andere Fachbereiche aus der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften haben ihr Interesse geäußert. Interessant für uns ist dabei, wie unterschiedlich die Herangehensweise an das neue Prüfungsformat ist. In der Kommunikationswissenschaft ist beispielsweise die Lesbarkeit von geschriebenen Texten ausschlaggebend gewesen für den Wechsel auf E-Klausuren. Für die Agrarwissenschaften ist das Einbinden von Bildmaterial in die Fragen sehr hilfreich.

Berggold: Sobald sich Prüferinnen und Prüfer dafür entscheiden, zukünftig auf elektronische Prüfungen umzustellen, unterstützen wir sie in diesem Prozess. Wir beraten sie bei der Umsetzung der Prüfung in ILIAS, organisieren die Prüfungstermine mit dem Prüfungsamt und reservieren die entsprechenden PC-Räume. Das wird leider immer schwieriger, da der größte PC-Raum auf dem Campus aktuell renoviert wird. Wir müssen also in mehrere kleine Räume ausweichen. Die Prüferinnen und Prüfer erstellen dann selbstständig die Fragen in ILIAS, wir setzen uns vor der Prüfung mit ihnen zusammen und probieren direkt im PC-Raum aus ob der Test in ILIAS richtig funktioniert.

Starke: Am Prüfungstag selbst versetzen wir die Computer in einen für die Klausur abgesicherten Modus, sind vor Ort und helfen den Studierenden bei der Anmeldung in ILIAS. Als technische Aufsicht sind wir auch für Rückfragen zuständig. Zum Glück sind bisher aber noch keine gravierenden technischen Probleme während der Prüfungszeit aufgetreten.

Was sind in Ihren Augen die Vor- und Nachteile von E-Klausuren?

Starke: Ein klarer Vorteil einer E-Klausur ist die Zeitersparnis bei der Korrektur, vorausgesetzt es handelt sich um Fragen die technisch automatisch auswertbar sind. Außerdem können bei entsprechend großen Fragenpools sehr einfach verschiedene Klausuren erstellt werden oder die Fragen zufällig aus den einzelnen Pools gezogen werden. Abschreiben ist hierdurch praktisch nicht mehr möglich.

Berggold: Wurde beispielsweise vorher mündlich geprüft, dann sind elektronische Prüfungen vor allem unabhängiger bei der Auswertung und Benotung. Aber auch die Zeitersparnis während der Prüfung spielt für die Prüferinnen und Prüfer eine große Rolle. Und wie schon erwähnt, ist ein weiterer Vorteil, dass verschiedene Medien in die Prüfung eingebunden werden können. Bilder können z.B. bequem vergrößert oder markiert werden. Auch der Einsatz anderer Medien wäre denkbar, möglicherweise könnten kurze Videos abgespielt werden.

Starke: Wir haben auch die Möglichkeit, Drittapplikationen in die Prüfung einzubinden. Zum Beispiel müssen die Studierenden bei einer Klausur in Excel arbeiten und dazu anschließend Fragen in ILIAS beantworten. Auf diese Weise lassen sich unterschiedlich schwere Prüfungen aufbauen. Von geschlossenen Fragentypen über offene Fragen die auch weiterhin von Hand korrigiert werden müssen bis hin zu anwendungsbasierten Fragen ist sehr viel machbar. Allerdings können nicht alle Inhalte mit E-Klausuren abgefragt werden. Beispielsweise das selbstständige Zeichnen von Schaubildern, komplexe Rechenwege oder Programmieren können nur sehr schwer elektronisch geprüft werden.

Berggold: Ein weiterer Nachteil ist der erhöhte zeitliche Aufwand beim erstmaligen Erstellen einer Klausur mit ILIAS. Vor allem das Anpassen der Fragen an das neue Prüfungsformat und das Einstellen der Fragen in ILIAS ist sehr aufwändig und wirkt sicherlich auf viele Prüferinnen und Prüfer erst einmal abschreckend. Sind die Fragen aber einmal in ILIAS, können die Fragenpools beliebig erweitert und von verschiedenen Autorinnen und Autoren bearbeitet werden. Fragen zu bestimmten Themen können z.B. in einem Semester in den Test eingebunden und im nächsten Semester herausgenommen werden. Auch sehr große Fragenpools können auf diese Weise relativ einfach verwaltet werden.

Bekommen Sie auch Feedback von Studierenden zu E-Klausuren?

Starke: Wir bekommen bisher eher weniger Feedback. Direkt nach Beenden der Klausur steht für die Studierenden eher das fachliche Feedback im Mittelpunkt.

Welche Herausforderung sehen Sie für die Zukunft zum Thema E-Klausuren hier in Hohenheim?

Berggold: Aktuell dreht sich viel um das Thema „Digitalisierung der Lehre“. Vor diesem Hintergrund werden auch E-Klausuren immer wichtiger und häufiger diskutiert. Vor allem in den Wirtschaftswissenschaften ist das gerade ein heißes Thema. In Großveranstaltungen könnten elektronisch auswertbare Prüfungen eine große Zeitersparnis für die Lehrenden bedeuten. Allerdings eignet sich auch hier das Format nicht für jede Prüfung. Wir sehen es als unsere Aufgabe, zusammen mit interessierten Lehrenden individuelle Lösungen zu finden.

Starke: Gerade in großen Veranstaltungen mit mehr als 500 Studierenden können wir leider nicht mehr in den relativ kleinen PC-Räumen prüfen. Hier müssen wir uns alternative Modelle überlegen, die IT-Infrastruktur anpassen und mehr PC-Arbeitsplätze schaffen. Ein möglicher Ansatz wäre das Prüfen auf studentischen Notebooks, hierbei gibt es allerdings noch einige Faktoren die im Voraus geklärt werden müssen. Es bleibt also spannend…

Herzlichen Dank für das Interview!