01 Jun

Kollegiale Beratung

Lesezeit: 4 Min -

Als Lehrender und Mitarbeiter an einer Universität ist es alltäglich, vielen Personen zu begegnen – Studierenden, Kollegen, Weisungsbefugten, Personen aus anderen Bereichen, studentischen Hilfskräften und Büronachbarn… Ab und zu tauchen berufliche Situationen auf, die schief laufen oder für die kein gutes Vorgehen einfällt. Das interessante ist, dass sich an anderer Stelle auf dem Campus Personen mit den gleichen Situationen herumschlagen und sich fragen, was unternommen werden könnte. Warum also nicht das Wissen der Gruppe verwenden? Manchmal hat der ein oder andere schon einen Weg durch die Situation gefunden. Im Rahmen einer kollegialen Beratung können neue Perspektiven und Lösungsansätze durch die Unterstützung von Kollegen gewonnen werden.

Kollegiale Beratung wird mitunter auch „Intervision“ oder „Peer-Group-Beratung“ genannt. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Personen auf ungefähr gleicher Ebene innerhalb einer Organisation, die auf Basis ihrer Erfahrungen zu bestimmten Problemsituationen Lösungen suchen.

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Eine gute Gruppegröße für eine Kollegiale Beratung liegt bei drei bis acht Personen. Pro Fall können 40 bis 90 Minuten Zeit eingeplant werden.

  1. Rollenverteilung Die Rollen werden besetzt: ein Moderator, ein Fallgeber, mehrere kollegiale Berater.
  2. Falldarstellung Der Fallgeber berichtet aus seiner subjektiven Perspektive. Der Fall kann anonymisiert sein. Der Moderator unterstützt durch klärendes und fokussierendes Fragen. Die Berater hören nur zu und beobachten den Fallgeber.
  3. Schlüsselfrage Das Anliegen wird geklärt und eine Schlüsselfrage formuliert. Sie umreißt, was sich der Fallgeber als Ziel der Beratung wünscht.
  4. Rückfragen aus der Gruppe Die Gruppe kann dem Fallgeber Nachfragen stellen um den Sachverhalt nachvollziehen zu können.
  5. Beratung Die Berater der Gruppe formulieren ihre Gedanken zum Fall. Mitunter können sie die Rolle einer Person im Fall einnehmen und aus dessen Perspektive sprechen. Der Fallerzähler hört nur zu und lässt die Ideen auf sich wirken. Ein „Sekretär“ notiert die Beiträge.
  6. Reaktionen vom Fallgeber Der Fallerzähler nimmt Stellung zu den Anregungen der Gruppe. Er bedankt sich für die Unterstützung.
  7. Lösungsoptionen sammeln Es wird in der gesamten Gruppe überlegt, welche Lösungsmöglichkeiten es gibt und was die nächsten Schritte sein könnten.

Die Schritte können variieren. Julia Hoen von der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik meint dazu: „Wir gehen so vor, dass bereits zu Anfang eine Schlüsselfrage/ein Anliegen formuliert wird. Nach den Rückfragen wird diese noch einmal betrachtet und gegebenenfalls abgeändert. Zusätzlich gibt es einen 8. Punkt: Abschließende Auswertung des Erzählers. Was nehme ich mit?“

Oft einigen sich die Gruppenmitglieder zu Beginn eines Gespräches, die Inhalte vertraulich zu behandeln. Während des Prozesses kann eine Visualisierung von Schlüsselfrage, Ideen und Optionen hilfreichen sein. An vielen Hochschulen wird diese Form der Beratung regelmäßig durchgeführt, sei es als kollegiale Mittagspause oder als Stammtisch. Oft bleibt die Gruppenzusammensetzung in den regelmäßigen Treffen gleich und die Termine stehen über einen längeren Zeitraum fest (ca. zwei im Semester). So können kollegiales Verständnis vertieft, Erfahrungswerte gemeinsam genutzt und mitunter auch tiefergehende Probleme eingebracht werden. Initiiert werden kann eine Kollegiale Beratung besonders gut über persönlichen Kontakt oder einen gemeinsamen Bezug (in Hohenheim ist das bei den Teilnehmern der Kollegialen Beratung der Lehrhintergrund und der Wille, die eigene Lehre weiterzuentwickeln).

Kollegiale Beratung in Hohenheim

Im Modul I des Baden-Württemberg Zertifikates für Hochschuldidaktik ist eine Kollegiale Beratung fester Bestandteil (in der Regel 3 Termine á 3 Stunden). Es handelt sich dabei um eine feste Gruppe aus Teilnehmern des Zertifikatkurses, die von Eva Lidl oder Friederike Hoffmann moderiert wird. Dabei geht es hauptsächlich um Fragen/Anliegen aus dem Bereich der Lehre. Beispielsweise: „Wie erreiche ich mehr Aktivität der Studierenden innerhalb meiner Veranstaltung?“, „Wie erreiche ich eine bessere Stoff-Zeit-Relation?“, „Wie kann ich Sprechstundengesräche effektiv führen?“ usw.

Wenn Sie Fragen zur Kollegialen Beratung in Hohenheim haben, wenden Sie sich gern an Eva Lidl oder Friederike Hoffmann. Die Kollegiale Beratung wird an der Universität Hohenheim für Personen angeboten, die dabei sind ein HDZ-Zertifikat zu erwerben.