04 Mai

Konstruktives Feedback an Studierende – Was gibt es zu beachten?

Lesezeit: 3 Min -

Wenn Studierende in Lehrveranstaltungen Aufgaben oder Übungen erhalten, sei es in Form von Referaten, regelmäßigen Hausaufgaben oder Testaten, kommt auf die Lehrperson umgekehrt die Aufgabe zu, den Studierenden Feedback dazu zu geben. Ziel ist es dabei, dass Studierende auf der Grundlage von konstruktivem Feedback ihr Lernverhalten verändern und dadurch künftig ihre Aufgaben noch besser erledigen können. Die Diskrepanz zwischen der aktuellen Leistung und dem gewünschten Lernziel soll dadurch verringert werden.

In der Studie „The Power of Feedback“ von Hattie und Timperley aus dem Jahr 2007 wurde untersucht, wie Feedback gestaltet sein soll, wenn es Lernen unterstützen soll. Dabei ist Feedback „information provided by an agent (e.g. teacher, peer, book, etc.) regarding aspects of one’s performance or understanding“ (S. 81).

In einem Feedback-Modell, das aus der Studie entstanden ist, lauten die Kernfragen, auf die konstruktives Feedback Antworten geben soll, folgendermaßen:

  • Wo soll es hingehen? – Sprich: was ist das übergeordnete Ziel der Aufgabe? Was soll durch die Aufgabe oder Übung erreicht werden?
  • Wie komme ich dort hin? – Das heißt: wie würde optimalerweise der Arbeitsprozess aussehen? Aus welchen Arbeitsschritten besteht die Aufgabe?
  • Was ist der nächste Schritt? – Damit wird adressiert, was der/die Studierende als nächstes tun könnte, um dem übergeordneten Lernziel noch näher zu kommen.

Während die beiden ersten Fragen eher beschreiben, was der/die Studierende in der Aufgabe gemacht hat, wird in der letzten Frage ein Ausblick darauf gegeben, wie er oder sie am besten weiterarbeiten könnte und wie ein konkreter nächster Schritt aussehen kann.

In dem o.g. Feedback-Modell wird außerdem beschrieben, dass Feedback auf vier verschiedenen Ebenen gegeben werden kann:

  • Aufgabenebene: Feedback auf der Aufgabenebene gibt Auskunft rein darüber, wie gut die Aufgabe erfüllt wurde, welche Fehler gemacht wurden und wie es stattdessen besser gemacht würde.
  • Prozessebene: Auf der Prozessebene enthält Feedback auch Informationen darüber, auf welche Art und Weise die Aufgabe erfüllt wurde. Dabei wird auch darüber nachgedacht, wie z.B. die notwendigen Informationen gesammelt wurden und in welchem Bezug die Aufgabe zu ähnlichen Aufgaben steht (Transfer).
  • Selbstregulierungsebene: Auf dieser Ebene werden Studierende durch Feedback auch dabei unterstützt, ihre eigene Aufgabe zu überprüfen und darüber nachzudenken, wie das Lernverhalten in Bezug auf das Lernziel adaptiert werden könnte.
  • Selbstebene: Feedback auf dieser Ebene bezieht sich auf den/die Studierende/n selbst und nicht deren Arbeit, was sich zwar aufbauend oder motivierend auswirken kann. Jedoch ist es für die Studierenden weniger hilfreich, um erfolgreich an ihren Aufgaben weiterzuarbeiten.

Je nach Intention der Lehrperson kann sich Feedback also auf unterschiedliche Dimensionen beziehen. Insbesondere Feedback zu den drei Kernfragen auf der Prozess- und Selbstregulierungsebene wirkt sich jedoch positiv auf das selbständige Arbeitsverhalten von Studierenden aus und unterstützt sie vor allen Dingen auch darin, eine übergeordnete Perspektive darauf einzunehmen.

Quelle:

  • Hattie, J. & Timperley, H. (2007). The Power of Feedback. Review of Educational Research, 77, p. 81-112.