19 Jun

Von Tutorin zu TutorIn – Tipps zur Durchführung eines Tutoriums

Lesezeit: 4 Min -

Gastbeitrag von Julia Fülle

Über mich
Ich heiße Julia Fülle und studiere im 4. Semester Ernährungswissenschaften. Auch wenn der Name dieses Studiengangs erstmal vermuten lässt, es gehe vor allem um Ernährung, FuelleNährstoffe und die alltägliche Frage ‚Was soll ich denn nur essen’, so ist dieses Studium doch sehr stark naturwissenschaftlich geprägt. Vor allem in den ersten beiden Semestern müssen alle Grundlagenfächer ‚abgearbeitet’ werden. Darunter auch Mathematik, was für viele Studierende ein Stolperstein darstellt und nur irgendwie bestanden werden muss.

Und deshalb bin ich Tutorin geworden!
Als ich das Modul ‚Mathematik für NaturwissenschaftlerInnen’ besuchte, gab es keine Tutorien, keine Altklausuren oder sonstige Erfahrungsberichte, wie man sich am besten auf die von vielen gefürchtete Matheklausur vorbereiten sollte. Viele meiner KommilitonInnen, und auch ich, haben sich gewünscht, es gäbe eine Hilfestellung in Form eines Tutoriums, vor allem da die Zeit in den Übungen sehr knapp bemessen war. Zudem waren diese sehr überfüllt und ließen somit kaum Raum für Fragen offen.
So beschloss ich ein Jahr später für meine ‚NachfolgerInnen’ diese von uns so sehr gewünschte Hilfestellung anzubieten.

In meinem Tutorium habe ich vor allem die Übungen nachbereitet, das heißt Aufgaben, die in den Übungen zu schnell behandelt wurden, teilweise noch mal gerechnet. Außerdem habe ich versucht eine Übersicht über die einzelnen Themenblöcke zu geben, um damit den Monsterberg ‚Mathematik’ in kleine, schmackhafte Bissen aufzuteilen. Dabei war es mir ein großes Anliegen, möglichst viele interaktive Elemente in mein Tutorium einfließen zu lassen und möglichst wenig einfach nur vorzurechnen. Dies stellte sich aber als die größte Herausforderung dar.

Fuelle5Dazu habe ich allerdings viel im TutorInnentraining gelernt. Bei der Vorbereitung auf die expertengestützte Hospitation habe ich vor allem durch Frau Hoen viele neue Anregungen erhalten, wo und wie ich die Studierenden überall gut mit einbeziehen kann. Auch der Austausch mit anderen TutorInnen hat mich sehr motiviert, andere Ideen und Methoden auszuprobieren.

Ein Beispiel wäre, dass ich mathematische Begriffe auf Kärtchen geschrieben habe, die die Studierenden à la Tabu ihren KommilitonInnen erklären sollten. Somit mussten die Definitionen der Fachbegriffe nochmal mit eigenen Worten zusammengefasst werden, was hoffentlich geholfen hat, sich diese Begrifflichkeiten besser einzuprägen.

Insgesamt war das TutorInnentraining sehr praktisch und anwendungsbezogen ausgelegt. Sowohl beim Live-Coaching als auch bei der Hospitation war es anhand der Selbstaufnahmen per Video möglich, sich selbst aus einer anderen Perspektive zu sehen und zu bewerten. Diese zuerst etwas befremdliche Methode eigene Videoaufnahmen zu analysieren, war sehr effektiv und so waren auch direkt große Fortschritte zu erkennen.

Auch ‚klassische’ didaktische Themen kamen nicht zu kurz und so hat mir das TutorInnentraining einen sehr guten Einstieg in die hohe Kunst der Lehre ermöglicht. Nach dem Workshop habe ich mich sicherer gefühlt und war mit einem Werkzeugkasten ausgestattet der mir ermöglichte, von der strukturierten Planung, über das Auftreten vor der Gruppe bis hin zum Beseitigen von Störungen, ein (zumindest aus meiner Sicht) ganz ordentliches Tutorium zu halten.

Meine Entwicklung als Tutorin im Rückblick
Durch das TutorInnentraining und dann vor allem während der Arbeit als Tutorin selbst, bin ich sehr dafür sensibilisiert worden, wie wichtig das eigene Gefühl vor der Gruppe ist: bin ich selbst unruhig und zappelig, so überträgt sich das schnell auch auf die Gruppe.

Genauso wicFuelle4htig ist, dass man den Studierenden von Anfang an den Rahmen des Tutoriums aufzeigt. Es ist einfacher eine gewisse Arbeitsatmosphäre aufrechtzuerhalten, als nach drei Tutoriumsstunden plötzlich Eigenarbeit zu verlangen, nachdem sonst nur Input Vorträge vom Tutor/der Tutorin selber gehalten wurden.

Deswegen ist mein Tipp, was man als TutorIn beachten sollte, folgender:

Überlegt euch gut, welche Position ihr als TutorIn einnehmen und was ihr von den Studierenden einfordern wollt.

Es ist auch sehr hilfreich, während der Stunde immer ein Ziel vor Augen zu haben.
Ich habe gemerkt, dass die Vorbereitung doch mehr Zeit in Anspruch nimmt, als ich gedacht habe, aber unabdingbar ist! Eine gute Vorbereitung hat mir selbst eine große Sicherheit gegeben und so haben mir die Tutoriumsstunden immer sehr viel Spaß gemacht!

Also traut euch euer Wissen mit anderen zu teilen, ihr lernt dabei selbst auch sehr viel! 🙂

Kontakt:
Julia Fülle
julia.fuelle(at)uni-hohenheim.de