26 Apr

E-Moderation in der Online-Lehre

Lesezeit: 4 Min -

E-Moderation – was ist das?

Sobald sich die Lehre teilweise oder ganz auf Online-Angebote verlagert, verändert sich die Kommunikationsform zwischen Lehrenden und Lernenden. Es ist dann eine besondere Art und Weise der Moderation nötig. Zum Beispiel findet in Online-Foren, die Studierenden zum Austausch zu Verfügung gestellt werden, nicht immer automatisch Kommunikation statt. Um Kommunikation in einem solchen Forum zu initiieren, bedarf es besonderer Kommunikationstechniken. Diese werden unter dem Begriff der E-Moderation zusammengefasst. In diesem Artikel soll es darum gehen, was bei E-Moderation zu beachten ist, um die Kommunikation im virtuellen Raum zu initiieren, zu strukturieren und aufrecht zu erhalten.

Unterschiedliche Kommunikationsformen

In der Online-Lehre stehen unterschiedliche Formate zur Verfügung. So zum Beispiel Foren, Chats oder Webkonferenzen. Die verschiedenen Formate unterscheiden sich unter anderem dahingehend, ob sie synchrone oder asynchrone Kommunikation ermöglichen. In Chats und Webmeetings findet synchrone Kommunikation statt, da alle Beteiligtenzwar an unterschiedlichen Orten sind, aber Zeitgleich miteinander kommunizieren. Online-Foren sind ein Format, welches ansynchrone Kommunikation bedingt. Hier wird zeitversetzt zu einem oder mehreren Themen diskutiert oder es werden Fragen bearbeitet. Dies eignet sich aus didaktischer Sicht besonders dazu, einzelne inhaltliche Fragen vertiefend zu diskutieren. Die Teilnehmenden haben in asynchronen Formaten mehr Zeit, Antworten und Diskussionsbeiträge zu formulieren und im Forum zu posten (vgl. Bett/Gaiser 2002, S. 3f).

Aufgaben der E-Moderation

Für die Moderation in der Online-Lehre muss die Form der Kommunikation, die das gewählte Format bedingt, natürlich berücksichtigt werden. So ist zum Beispiel bei der Moderation eines Chats darauf zu achten, dass auch alle Teilnehmenden zu Wort kommen. Bei asynchronen Formaten, wie einem Forum, ist es z.B. wichtig, dass die Moderation zeitversetzte Einträge inhaltlich miteinander in Beziehung setzt.

Aber auch unabhängig vom Kommunikationsmodus lassen sich verschiedene Aufgabenbereiche der E-Moderation definieren. Hierzu finden sich in der Literatur verschiedene Ansätze: Hron et al. (2002) unterscheiden in einem Artikel zum kollaborativen Lernen vier verschiedene Funktionen einer E-Moderation:

  • Organisationsfunktion (Planung des Ablaufs, Einteilung von Gruppen, Segmentierung der Veranstaltung in Phasen und Abschnitte, Lernzielfestlegung)
  • Motivationsfunktion (Teilnehmende willkommen heißen, Austausch der Teilnehmenden untereinander fördern, Feedback geben, Fragen stellen und Diskussionen anregen)
  • Expertenfunktion (angemessenes Lern-Material bereitstellen)
  • Vermittlungsfunktion (in Themen einführen, Diskussionsinhalte zusammenfassen, Themenbereiche gliedern)

Boos et al. (2009) fokussieren in Anlehnung an Rautenstrauch (2001) stärker auf die Unterscheidung verschiedener Rollen einer E-Moderation. Der/die E-ModeratorIn sollte demzufolge folgende Rollen ausfüllen:

  • Experte (fachlich)
  • Technische Unterstützung (Hilfestellungen für das Zurechtfinden in der Online-Lernumgebung)
  • Coach (Lernende aktivieren und begleiten, individuell unterstützen)
  • Teambildner (Gruppenarbeiten und das Zusammenfinden in Gruppen koordinieren; Gruppenprozesse beachten)
  • Moderator (Vorbereiten, Strukturieren und Zusammenfassen)
  • Rollenmodell (Vorbild sein)

Über die beiden Modelle hinaus finden sich in der Literatur natürlich noch verschiedentliche andere Beschreibungen zu den Anforderungen an E-ModeratorInnen. Im Kern wird in den ausgewählten Hinweisen jedoch deutlich, welchen vielfältigen Herausforderungen eine E-Moderation gerecht werden muss. Wichtig scheint hierbei, dass die inhaltliche Wissensvermittlung nur ein Anforderungs-Punkt unter anderen ist. Vielmehr kommt es als E-ModeratorIn darauf an, die Lernumgebung zu gestalten und die Lernprozesse der Studierenden gut zu begleiten und zu koordinieren (vgl. Böhm 2006, S. 22).

 

Literatur:

  • Bett, Katja / Gaiser, Birgit: E-Moderation, Online-Material aus E-Teaching.org. Online: https://www.e-teaching.org/lehrszenarien/vorlesung/diskussion/e-moderation.pdf [zuletzt abgerufen: 09.05.2017]
  • Böhm, Frank: Der Tele-Tutor: Betreuung Lehrender und Lernende im virtuellen Raum. Wiesbaden, 2006.
  • Boos, Margarete / Müller, Andrea / Cornelius, Caroline: Online-Moderation und Tele-Tutoring. Medienkompetenz für Lehrende. Stuttgart, 2009.
  • Hron, Aemilian / Hesse, Friedrich W. / Friedrich, Helmut F.: Gemeinsam lernt es sich besser. Kooperatives Lernen und kognitive Prozesse in netzbasierten Szenarien. In: Scheffer, Ute / Hesse, Friedrich W. (Hrsg.): E-Learning. Die Revolution des Lernens gewinnbringend einsetzen. Stuttgart, 2002. S. 83-100
  • Friedrich, H. et al: Partizipation im virtuellen Seminar in Abhängigkeit von der Moderationsmethode – eine empirische Untersuchung. In: Fechter, M./ Bremer, C. (Hrsg.): Die virtuelle Konferenz – neue Möglichkeiten für die politische Kommunikation (Grundlagen, Techniken, Praxisbeispiele). Essen, 1999. S. 119 – 140
  • Rautenstrauch, Christina: Tele-Tutoren – Qualifizierungsmerkmale einer neu entstehenden Profession. Bielefeld, 2001.
  • Universität Halle: E-Moderation. Online: http://wiki.llz.uni-halle.de/E-Moderation [zuletzt abgerufen: 09.05.2017]